Menschenrechte & Fairer Handel in globalen Lieferketten

„Jeder Mensch, ohne Unterschied, hat das Recht auf gleichen Lohn und gleiche Arbeit“

In der westlichen Welt sind wir es gewohnt, jede Saison neue Kleidungsstücke zu noch günstigeren Preisen zu kaufen. Wir machen uns zu selten Gedanken, wie der Preis zustande gekommen ist, wenn ein T-Shirt lediglich fünf Euro kostet.

Unter welchen Bedingungen wurde das Kleidungsstück hergestellt?

Wurde fair bezahlt? Wie wurde das Kleidungsstück nach Europa transportiert?

Und wer proftiert von dem Verkaufsgewinn?

Immer mehr machen sich aber jetzt, nachdem das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzt beschlossen wurde, Gedanken über den fairen Handel. Denn wir die tragen mit unseren Einkäufen genauso die Verantwortung für den menschenunwürdigen Handel, wie diejenigen, die die Menschen unter diesen schlechten Bedingungen arbeiten lassen. Wir stehen als Konsument:innen am Ende der Lieferkette und können entscheiden, dass wir auf Produkte und Kleidungsstücke aus fairem Handel achten und nur diese konsumieren.

Ich kann mich an eine Awareness Kampagne zum fairen Handel mit dem Plakat erinnern, dass eine Bluse für 50 Cent produziert und für 50 Euro verkauft wird. Diese Kampagne zeigt auch, dass nicht immer die günstigen Kleidungsstücke der Discounter Läden, diejenigen sind, die unter „ausbeuterischen“ Bedingungen herstellen lassen, sondern auch die Designer Marken.

Als Beispiel für eine Asbeutung von Arbeiter:innen lässt sich das am Land Indien als zweitgrößten Exporteur von Textilien verdeutlichen. Dort beschäftigt die Textilindustrie 45 Millionen Inder:innen. Davon sind wiederum 70 Prozent Frauen, die auf Baumwollfeldern, in Spinnereien und Nähereien unter menschenunwürdigen Bedingungen und zu sehr geringen Löhnen arbeiten.

Auch das Arbeitspensum ist sehr hoch, da sie immer mehr und schneller in kürzeren Lieferzeiten produzieren müssen. Die vom Staat festgesetzten Mindestlöhne reichen nicht, um über die Runden zu kommen, so dass viele Frauen auch Überstunden machen müssen, um ihre Familien zu ernähren. Krankheitstage sind ebenfalls unbezahlt, wie Mutterschutzzeiten.

Neben den unfairen Bezahlungen und den schlechten Bedingungen sind die Frauen auch oft Diskriminierungen und Machtungleichheiten ausgesetzt. In den Fabriken sind sie besonders gefährdert, Opfer von Übergriffen durch männliche Vorgesetzte zu werden. Risiken wie Misshandlungen, Schläge oder sexuelle Belästigungen sind bei Frauen höher als bei Männern.

Die Politik und die Wirtschaft haben bislang die bestehenden wirtschaftsbezogenen Menschenrechtsverletzungen in globalen Wirtschaftsketten zu wenig adressiert.

Das Lieferkettengesetz ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Es sollten jedoch noch weitreichendere Maßnahmen ergriffen werden, die eine grundlegende Transformation zur Verwirklichung der Rechte von Frauen fördern:

Das Lieferkettengesetz sollte Unternehmen dazu verpflichten, bei ihren Risiko- und Folgeabschätzungen geschlechtsspezifsich vorzugehen. Hierzu gehört es, dass Risiken von mehrfacher und intersektioneller Diskriminierungen wie z.B.

  • sexualisierter und geschlechtspezifischer Gewalt
  • gesundheitliche Herausforderungen für Frauen und Mädchen
  • Risiken, denen Frauen und Mädchen innerhalb des informellen Sektors und der weltweiten Ungleichheiten bei der Sorgearbeit ausgesetzt sind

berücksichtigt werden.

Unternehmen müssen verpflichtet werden, auf familienfreundliche Arbeitsbedingungen, Equal Pay und existenzsichernde Löhne bei ihren Geschäftspartner:innen zu achten.

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